Montezuma Pass – Tag 58: Meile 820 – 831 + 11 Meilen Elwood Pass Alternative

Ich hatte mir ja lange das Vorgehen in den San Juans überlegt:

1. Erstmal das Basin in Wyoming laufen damit der Schnee mehr schmilzt ✅

2. Die hohe Route laufe ich nur in einer Gruppe, ansonsten laufe ich die niedrige Route ✅

3. Bei der hohen Route schau ich, ob die Konditionen wirklich so schlimm sind wie alle sagen ✅

4. Wenn die Konditionen zu schlecht sind, wechsel ich auf die niedrige Route

So schön die San Juan Mountains auch sind – wenn ich die Berge nicht trittsicher herunter komme, macht es keinen Sinn, die hohe Route weiter zu laufen – insbesondere da die schlimmsten Abschnitte noch bevorstehen. Blitz und Dirty Money sagen zwar, dass ich sicherer laufe als ich denke – aber trotzdem möchte ich solchen Situationen nicht ausgesetzt sein, wenn es vermeidbar ist. Zudem war mein Bedarf an Schnee ordentlich gedeckt.

Also habe ich beschlossen, nicht weiter bis zum Wolf Creek Pass zu laufen und danach auf die braune Creed Alternative zu wechseln, sondern schon heute auf die blaue Elwood Pass Alternative zu wechseln. Wenn es einen Ausweg gibt, kann man den ruhig nehmen. Ein bisschen traurig bin ich aber schon, ich wäre gerne mit den andern weiter gelaufen.

Erleichtert und bei einem wunderschönen Sonnenaufgang sind wir wieder um 05:30 losgelaufen.

Meine Beine waren noch genauso kraftlos wie am Vorabend. Bei dem ersten Anstieg wollte der Blitz mich mit Motivationsmusik mitziehen – allerdings war mein Bein kurz vor dem verkrampfen, mir wurde schwindelig und übel. War vielleicht doch etwas viel gestern.

Allerdings war dies der einzige richtig lange Anstieg heute – also habe ich meine Wunderwaffe – das GU Energy Gel mit Koffein herausgeholt und dazu noch einen Riegel gegessen und einen halben Liter Wasser getrunken – danach ging es wieder. Traurig, dass ich nach ca. 1000 gewanderten Meilen noch so ein Schwächling bin – aber es ist nunmal wie es ist.

Oben auf dem Plateau war es angenehm zu laufen – flache Schneefelder und Traversen an nicht allzu steilen Hängen, die unten abflachen. Ein Sturz hätte nur ein lästiges extra bergauf laufen bedeutet. So mag ich den Schnee.

Aber das Lachen sollte mir schon noch vergehen. Die Ostseite vom Montezuma Peak war zwar nicht so extrem steil wie gestern, aber noch steil genug und natürlich total schneebedeckt. Dem Trail sollte man lieber nicht folgen, da man beim Abstieg leicht in Felsen krachen kann. Der Schnee war in 10cm gefroren darüber super matschig. Mit Baby Schritten habe ich versucht, Stufen in den Schnee zu treten. In Zeitlupe. Taps, taps, taps. Tok ging es nicht anders.

In der Zwischenzeit ist Tik schon ausgerutscht, auf dem Hintern gelandet und nach unten gerutscht. Und ehe ich mich versah, landete auch ich auf dem Hintern und war auf dem Weg nach unten – zum Glück war dieser Abhang nicht so steil und wurde gen Ende sehr flach, zudem waren keine Steine oder Bäume im Weg und der Schnee an der Oberfläche war weich genug, so dass ich mit den Beinen und den Wanderstöcken leicht bremsen konnte. Die Eisaxt hatte ich am Rucksack gelassen, da der Schnee schon so matschig war.

Eigentlich hat das Gerutsche auch wohl Spaß gemacht – aber nur weil die Bedingungen optimal waren. Mit Handschuhen wäre es sicher auch noch besser gewesen – so sind meine Hände extrem kalt geworden – noch nach einer Stunde waren die Hände taub, den einen Mittelfinger hab ich mir dabei wohl ein bisschen verstaucht, aber den braucht man ja eh nicht so.

Danach ging es aber wirklich entspannt dem Ende entgegen – flache, nette Schneefelder, danach bald normaler Trail.

Gegen Mittag sind wir am Elwood Pass angekommen, wo Jay schon gewartet und uns mit Cola versorgt hat. Zudem hat Dirty Money noch einen neuen Tripod bekommen, da ihrer gebrochen war. Wir saßen noch über ne Stunde zusammen, danach hieß es Abschied nehmen, da die anderen dringend zurück auf den Trail mussten.

Ich bin dann anschließend noch 11 Meilen auf der Schotterstraße weitergelaufen, bis ich mich an einem Campspot Jay wiedergetroffen habe. Dort fing es auch prompt an, zu Gewittern, so dass wir uns zum Essen ins Auto verziehen mussten. Als ich zwischendurch eingeknickt bin, wachte ich immer wieder von meinem Zucken auf – im Traum bin ich ständig am Berg abgerutscht. In der Realität sollte ich mit dem schlimmsten Schnee aber erstmal durch sein.


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