Mountaineering statt wandern – Tag 57: Meile 797 – 820

Heute standen die „Sketchy“-gen Abschnitte bevor – wie schlimm kann das schon sein? Schließlich hab ich schon 6000er bestiegen und habe die Pässe in der Sierra überquert.

Pünktlich um 05:30h sind wir also losgelaufen. Es gab zum Sonnenaufgang gleich ein paar Schneefelder zu überqueren, aber der Schnee war schön fest, alles kein Problem.

Gegen Mittag stand der erste etwas gruselige Part an: ein Schneefeld wollte überquert werden, das sehr steil war und am unteren Ende über eine Klippe führte – beim Sturz hätte man also ggf. den freien Fall. Zudem hat die Sonne die Schritte der vorigen Hiker geschmolzen. Bewaffnet mit Eispickel und Microspikes habe ich mich dann an die Überquerung gemacht und Schritte in den harten Schnee getreten. Überlebt.

Generell hatte ich bei den steilen Schneefeldern immer etwas Bammel – aber Dirty Money 💵 und der Blitz ⚡️haben mir stets gut zugesprochen und nach und nach fühlte ich mich auf dem harten, eisigen Schnee und auch auf dem matschigen, rutschigen Schnee sicherer.

Leider ist der Blitz ⚡️bei einer kleinen Schneebrücke über einem Bach eingekracht und hat sich etwas Fuß/ Bein verstaucht – aber ein Schwabe kennt keinen Schmerz und läuft weiter. Wir haben hier eine Pause eingelegt und auf TikTok gewartet, da ein Gewitter aufzog und wir nicht vom Pass getrennt werden wollten.

Ich war nach den ersten 15 Meilen hier schon ziemlich am Ende – Höhe, Steigung, Schnee sind ganz schön anstrengend. New Mexico hat mich nicht auf die Anstiege vorbereitet – ich kann nur geradeaus laufen.

Haarig wurde es am folgenden Abstieg von einem Pass. Normalerweise verläuft der Trail steil über Serpentinen etwa 250m nach unten. Jetzt war alles im Schnee versunken. Der Trail war lt. Dirty Money etwa 65% steil. Ein Albtraum.

Blitz und Tik sind vorgelaufen, einfach steil runter und haben in den etwas weichen Schnee die Spur gelaufen. Tok und ich sind dann hinterher – bloß nicht ausrutschen oder man glissaded gegen einen Fels. Dirty Money hatte zwischenzeitlich Spaß und ist wie eine Schnee-Elfe den Trail auf Schuhen herunter geskit – diese Schweizer habe unglaubliche Fähigkeiten, nicht von dieser Welt. Ich war heilfroh, als wir unten angekommen sind.

Abstieg auf der roten Linie

Danach gab es als Bonus noch einen breiten Fluss, den wir über eine fragwürdige Schneedecke überquert haben. Aber die Berge sind schön, aber die Aussicht muss man sich hier auch verdienen.

Gleich darauf ging es weiter zum letzten Pass des Tages – hier mussten im Laufe der letzten Woche drei Hiker per Helikopter gerettet werden. Hier ging es einfach wieder extrem steil runter mit matschigem Schnee und noch viel mehr Bäumen und Steinen im Weg. Mittlerweile war ich körperlich ziemlich am Ende und auch von der Konzentration war nicht mehr viel übrig – das ganze auf und ab inkl. Schnee bei über 12.000ft schlaucht mich schon sehr. Noch einmal zusammenreißen und dann ging es runter. Ich war heilfroh, Dirty Money dabei zu haben – die ist super fit, unerschrocken, lässt sich von dem ganzen Schnee nicht beeindrucken und hat uns immer die sicherste Route und Variante gesucht. Wäre ich allein gewesen, wäre ich umgedreht, ich habe keinen möglichen Weg runter erkannt.

Guthooks Auszug

Nach 14h wandern bei nur 22 Meilen sind wir letztendlich alle total erschöpft im Tal angekommen und konnten endlich essen und zelten. Es gab einen relativ guten, trockenen Fleck auf dem wir unser Zelt-Dorf errichten konnten.

Dirty Money hat aufgenommen, wie ich es mir im Zelt gemütlich mache

Das Essen hat noch nie so gut geschmeckt wie heute Abend 🤩

Trotz der Anstrengung konnte ich nicht wirklich einschlafen. Wenn ich die Augen zu gemacht habe, hatte ich wieder die steilen Abstiege vor Augen.

Wie schlimm konnte das ganze schon sein? Solche Abstiege hätte ich mir in meinem kühnsten Albträumen nicht vorstellen können 😱 Es hat auch keiner von den schlimmen Abschnitten Fotos gemacht – wir waren etwas aufs überleben fokussiert 😅


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