Hagelschauer 🌨 – Tag 9: Roadwalk Teil II

Heute war der Tag der Wahrheit: Passen die neuen Schuhe wirklich? Zudem standen heute 12 Meilen auf Asphalt bevor – Teil 2 des 22-Meilen Roadwalks nach Silver City.

So langsam wurmt es mich schon, so langsam unterwegs zu sein bzw. mit angezogener Handbremse zu laufen. Ja, das ist wahrscheinlich vernünftig und schneller laufen bringt eh nichts da wir ja Anfang Mai zur zweiten Impfung nach Tucson müssen… aber ich bin froh, wenn das erledigt ist, dann gibt es keine Verpflichtungen mehr, zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendwo zu sein.

Der Roadwalk hat bei weitem mehr Spaß gemacht, als ich gedacht hätte. Zum einen war es heute eher frisch, zum anderen gab es fast die ganze Zeit einen schönen weiten, Schotter-Seitenstreifen. Unglaublich, wie viel Müll am Straßenrand liegt – 99% Bud light Bierdosen, daneben gab es Handschuhe, CDs, Schnapsflaschen, Schlüpfer und Kinderspielzeug.

Vielleicht haben die Bierdosen aber auch etwas gutes: In der Nähe wuchsen meist kleine Blümchen – vielleicht gedeihen die leicht beschwipst besser.

Kurz vor dem höchsten Punkt gibt es eine Miene – wahrscheinlich bekommen die ganzen Bauern dort die Riesen-Reifen für die Wassertränken her. Es zogen auch ein paar dunkle Wolken auf, aber Regen und Gewitter waren erst für den späten Nachmittag vorhergesagt, und eine Wettervorhersage stimmt ja wohl immer.

Als ich genau auf dem höchsten Punkt war, fing es dann wie verrückt an zu Hageln – die Körner waren zum Teil so groß wie Haselnüsse. Jay’s Schirm hatte ich am Morgen noch abgelehnt – ein bisschen Regen kann der Ostfriese ja wohl ab. Nun hatte ich den Salat. Als es dann auch noch anfing zu Gewittern, habe ich erstmal Zuflucht unter den Büschen am Straßenrand gesucht – zumindest haben die dem Hagel abgebremst. Wer hat denn Bitteschön in der Wüste den Hagel bestellt!?

Zum Glück war der Schauer relativ schnell vorüber, aber die Straße war mit Hagel bedeckt.

Auf den nächsten Meilen musste ich immer schnell das Weite suchen, wenn mir ein LKW entgegen kam – ansonsten wäre ich total volögeschneematscht worden. Ein großes Dankeschön an alle Fahrer, die netterweise auf die zweite Spur ausgewichen sind, um mich nicht nasszuspritzen.

Etwas später bin ich dann noch an der WC-Allee vorbeigekommen. Da hat jemand eine Auffahrt mit diversen Kloschüsseln dekoriert – schick?!

Auf den letzten Meilen wurden die Wolken immer dicker und dunkler, aber ich war richtig gut in Schwung. Auf einem Parkplatz habe ich zufällig Jay getroffen – der mich dran erinnerte, dass ich mit den neuen Schuhen ja nicht so viele Meilen laufen wollte. Doof, ich war grad total im Pocket Rocket Modus. Dann fing es aber plötzlich wieder an zu Hageln und zu Gewittern – na gut, wahrscheinlich mach ich wirklich besser Schluss für heute.

Eigentlich wollten wir morgen eine Nacht im Hotel in Silver City verbringen – wir waren vor drei Tagen ja erst in Lordsburg. Da es heute aber den ganzen Nachmittag lang wie verrückt am Regnen war, haben wir dies einen Tag vorgezogen – im nassen Sand zelten macht nicht so viel Spaß.

Jay war heute Vormittag beim Hotel in Silver City, da er den Kocher eines Hikers repariert hat. Anscheinend bin ich hier fast der einzige Idiot, der die Straße entlang läuft, alle anderen lassen sich schön fahren (wenn Jay mich irgendwo abholt, laufe ich immer da weiter, wo ich aufgehört hatte)

Ein Mädel wollte sogar gerne vom Hostel zum Trail gefahren werden, satte 1.6km (nicht Meilen). Da ist das Skipper-Phänomen wieder: Du verstehst nicht, wie langsame Wanderer so ein großes Stück voraus seien können… und die Lösung, dass die einfach nicht alles laufen kommt mir nicht in den Sinn.

Es kann ja gerne jeder seinen eigenen Hike laufen – aber ich finde, wenn man die Hilfe von fremden Menschen erwartet, wenn man aus mangelnder Lust ein Stück überspringen möchte, dann geht es ein bisschen zu weit. Dachte wohl auch der Hostelbesitzer 😅

Auf der anderen Seite habe ich natürlich leicht reden – Jay hat mich ja bisher auch immer gut unterwegs unterstützt und heute abgeholt, als das Gewitter erneut los ging 🤔 auf der anderen Seite ist Gewitter auch ein guter Grund, in die Stadt zu hitchhiken und die Strecke am nächsten Tag nachzuholen.


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