Hausarrest – Woche 2

Heute sollte es losgehen – heute wollten wir nach New Mexico losfahren. Zwischenzeitlich war das Warten kaum noch auszuhalten – ich wollte einfach nur los bevor das Reisen untersagt wird.

Zum GlĂŒck sind wir geblieben. New Mexico weist mittlerweile alle Touristen aus, die kleinen Orte entlang des Trails stellen Schilder auf: Hikers unwelcome. NatĂŒrlich gibts auch wieder kreative Wehe, um die Verbote zu umgehen – aber ist das wirklich das Richtige? Ich denke nicht. Es ist allerdings sehr schwierig zu Hause zu sitzen wĂ€hrend total viele im mittleren Westen weiter munter Road Trips unternehmen… anscheinend ist man Immun gegen Corona wenn man in einem Wohnmobil unterwegs ist….

In den vergangenen zwei Wochen hat sich die Lage mal grundlegend verĂ€ndert… New York ist total außer Rand und Band, und auch Chicago soll sich zum nĂ€chsten Hotspot entwickeln. Unser Landkreis hat große KĂŒhlhĂ€user gemietet – und das nicht fĂŒr Lebensmittel.

Mittlerweile glaube ich auch nicht mehr dran, hier in naher Zukunft wegzukommen – nichtmal eine kleine HĂŒtte in den Bergen können wir uns mieten, da Reisen untersagt und UnterkĂŒnfte zu touristischen Zwecken geschlossen sind. Und mit jedem Tag entfernen wir uns weiter vom gewohnten Leben, das Virus steht hier erst am Anfang aber ist schon #1 weltweit… das Gute andere Sache ist, dass Benzin nur noch 1,60 USD pro Gallone kostet. Das Schlechte daran ist, man darf nirgends mehr hinfahren 😅

Zum GlĂŒck haben wir einen großen KĂŒhlschrank – oder zum Pech. Wenig Sport, amerikanisches Essen…Anfang der Woche haben wir den Lebensmittel Lieferdienst ausprobiert – und viele Sachen geliefert bekommen, allerdings nicht unbedingt das, was wir bestellt hatten.

Heute sind wir um 7 Uhr zum einkaufen losgefahren, da man jetzt viele Lebensmittel nur noch vor Ort kaufen kann. Walmart hat zum GlĂŒck breite Gassen, war relativ leer und hatte fast alles, was wir brauchen. Letzte Woche haben wir noch Desinfektionsmittel gesucht – jetzt suchen wir die Lebensmittel zusammen. Die Leute gucken uns komisch an. 10 Liter Milch? Es scheint, als wĂ€ren wir die Hamsterkönige, aber die Kinder trinken jeden Tag einen Liter und wir wollen möglichst nur einmal pro Woche einkaufen gehen.

Ich Sitz grad im Auto vor dem nĂ€chsten Supermarkt – Jay ist alleine rein gegangen, da der Parkplatz sehr voll ist und mir die Gesichtsmasken nicht passen…

Ansonsten… was macht man, wenn man im Haus festsitzt anstatt zu wandern? Mit Jay‘s kleinem Neffen spielen wir viel Uno. Und Mensch Ă€rgere Dich nicht. Und Spiel des Lebens. Nach der ersten Woche QuarantĂ€ne kam auch die zwölfjĂ€hrige Nichte hinzu.

Jeden Nachmittag gehen wir 3km spazieren, durch Siedlung, vorbei am See, mit vielen Wechseln der Straßenseite um Begegnungen mit der menschlichen Art zu vermeiden. Das Highlight: Ein großer Teich mit lustigen Enten und faulen GĂ€nsen, manchmal auch mit Möwen, Reihern oder sogar Geiern.

Beim AufrĂ€umen hat Jays Schwester Origami Papier gefunden – jetzt stehen ĂŒberall im Haus schrĂ€ge Vögel, Schmetterlinge und Dinosaurier herum.

Die beste Medizin gegen den Corona Koller ist wahrscheinlich der Hund Hazel – in diesen Zeiten sollte jeder einen Hund haben


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