Forrester Pass – Tag 50: Meile 774 – 789 + 7 Keasarge Pass

Gestern Mount Whitney. Heute der höchste Punkt des PCT – und jeder neue Tag ist der bisher schönste Tag auf dem PCT. Zugefrorene Seen mit Eisbergen, verschneite Pässe, reißende Flüsse, sattgrüne Täler, dunkle Tannen… allerdings kostet es auch viel Kraft. Wir sind jetzt zwei Tage in Folge morgens um 4:30am losgelaufen, jedes Mal ging es pro Tag zweimal tausend Meter steil bergauf, wir klettern über Baumstämme, furten Flüsse und wir laufen bis abends um 18-19h. Und die schwierigen Abschnitte liegen erst noch vor uns.

Um den Forrester Pass bei festem Schnee überqueren zu können, bin ich mit Straight Mike und Duracell um 4:30 losgelaufen – Steady hatten wir wieder ne halbe Stunde Vorsprung gegeben.

Manche erzählen mir, dass die Überquerung nachmittags auch super einfach war – ich war zwar nie gut in Physik (wahrscheinlich lehrerbedingt, der hat einige Widderstände ausgelöst 😃), aber wenn ich mich richtig entsinne, sollte der Schnee bei 30 Grad in der Sonne eine weichere Konsistenz annehmen als bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Im weichen Schnee laufen geht natürlich – aber wenn man dann ruckartig bis zur Hüfte einsackt und dabei auf einen Felsen trifft, ist das Verletzungsrisiko hoch. Aber vielleicht gilt das auch nur für mich.

Die Südseite des Passes hatte kaum noch Schnee – ein paar vereinzelte Schneefelder, die sehr leicht ohne Mikrospikes zu passieren waren. Allerdings knackte die Schneeoberfläche ein paarmal und es gab auch schon einige Risse… aber die Potentiellen Spalten dürften sicher nicht zu tief ausfallen…

In ein paar Zick-Zacks ging es den Pass hinauf, und so langsam konnten wir im Tal die nächsten Gruppen ankommen sehen – wir waren an diesem Morgen anscheinend die ersten bei der Passüberquerung. Oben am Pass musste man ein kleines Schneefeldchen passieren – der Weg war so tief in den Schnee gelaufen, die Tritte so ausgeprägt dass wir ohne Spikes durchlaufen konnten. Eisaxt hätte mir auch nix genützt, da direkt unter dem Schnee schon das Geröll begann. Zudem war die Stelle nur mäßig steil. In solchen Momenten bin ich sehr dankbar für die Bergtouren in Peru und Bolivien, früher hätte ich sehr viel Angst vor solchen Passagen gehabt.

Auf dem Pass angekommen, erwartete uns die Sonne und ein großes Schneefeld auf der Nordseite. Es gab die Möglichkeit, dort runter zu rutschen, allerdings lagen einige Steine in den Spuren und der Schnee war noch sehr hart – es wäre eine zu schnelle zu harte Rutschpartie geworden.

Stattdessen sind wir durch den Schnee abgestiegen- Duracell hat noch keine Spikes und ist daher ohne gelaufen, ich mit Spikes und Axt hinterher – Axt nur weil es cool aussah – es war nicht steil und auf dem festen, crispen Schnee der nicht vereist war hatten wir perfekten halt.

An dem vereisten See unter dem Pass haben wir dann eine verdiente Frühstückspause eingelegt – wir waren noch sehr früh dann, es war noch nichtmal 8 Uhr. Später am Tag sollte einer der Grosskotze hier in den vereisten See springen – um herauszufinden, das gefrorenes Wasser (auch als „Eis“ bekannt) beim brechen scharfkantig seien und Haut aufschneiden kann. Aber Lesson Learned: „I will definitely do it again that was rad, dude!“ – was für ein Mann 😍😂 Was ist hier mit den Männern los? Kennt hier keiner die verschiedenen Aggregatzustände und deren Eigenschaften von Wasser? Die hatten sicher auch Physik bei Stöhr.

Nach dem Pass hatten wir erst 6 Meilen geschafft – da waren es nur noch 15 mit weiteren 1000m Anstieg. Aber bevor es wieder hoch ging, ging es bergab – durch den perfekten Märchenwald mit kleinen und großen Bächen, Tannen, und einigen lustigen Flüssüberquerungen, bei denen wir über Baumstämme hubbeln mussten – ein hoch auf die kurze Hose – ich hab wirklich jede rausragende Stelle gespürt – und spüre sie immer noch 🙈

Bei der Meile 789 haben wir den PCT wieder verlassen, um einen Trail zum Onion Valley zu nehmen – von dort aus kann man zur Route 395 gelangen. Wir kamen an ein paar dunkelblauen Seen vorbei – danach ging es wieder steil bergauf.

Der Keasarge Pass war der zweite Pass des Tages – aber der bevorstehende Stadtaufenthalt hat mich angetrieben. Oben auf dem Pass hab ich schnell noch das letzte Zimmer in Lone Pine reserviert. Allerdings habe ich oben über eine Stunde auf die anderen gewartet – und wir hatten noch 5 Meilen bis ins Tal, es war bereits 15h.

Um 16h trudelten die anderen ein, und ich bin vorgerannt ins Tal – 4.5 Meilen in 1:15h ist mein neuer Rekord. Hat leider nix gebracht – im Tal wartete ich vergeblich auf ein wegfahrendes Auto. Irgendwann sind die anderen dann auch angekommen – aber es war niemand in Sicht, der runterfahren wollte. Oh nein, ich hab mich schon so aufs Essen gefreut… Da kamen Fritz und seine Frau. Unsere Retter! In der überdachten Ladefläche ihres Pickups haben sie uns mit ins Tal nach Independence genommen – und uns noch eine kalte Flasche Wasser mit auf dem Weg gegeben.

Von Independence aus mussten wir nochmal 18 Meilen weiter nach Lone Pine – das war zäh! Erst nach einer Stunde, als schon fast aller Hoffnung Ende war, hat uns jemand mitgenommen. Da wir mit den ganzen Kiffköppen auf dem letzten Abschnitt nicht so happy waren, sind wir ins kleine Lone Pine gegangen, da alle anderen ins größere Bishop wollten – 6er im Lotto! Viele unserer verloren geglaubten Freunde haben nach Tag 2 oder 3 auf dem Trail den frühen Weg nach Lone Pine genommen – Freebird, Veto, Crunch, Tipsy, Goldielocks… alle haben wir gesehen ❤️ ab morgen sind die wieder 40 Meilen hinter uns – aber es war schön, alle wiedergesehen zu haben.

Bevor die Restaurants um 21h geschlossen haben, sind wir noch essen gegangen, keinen Burger, keine Pizza – nein ein richtiges Steak 😊

Abends um 22h bin totmüde ins Bett gefallen 💤


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