Condoriri ⚡️ (5.648m) – Im Nacken des Condors

Eigentlich habe ich nur vor wenigen Dingen Angst: Höhe, Schlangen und  Nadeln. Beim Bergsteigen über 4000m bin ich vor Schlangen und Nadeln sicher…bleibt noch die Höhe.

Das ist aber eigentlich ganz einfach: ich guck halt nicht nach unten wenn ich auf nen Berg steige. Wie gut das beim Condoriri gekappt hat? Gar nicht so gut. Der höchste Gipfel der Condiriri-Gruppe ist der Kondorkopf…ich habe es leider nur bis zum Nacken des Konders geschafft.


Zuerst sind wir ja im Dunkeln gelaufen, das hat den Vorteil dass man gar nicht viel um sich herum sieht. Der Schnee durch den wir stapfen mussten war zwar etwas höher als ich es aus Peru kenne – aber das ist doch gut? Schließlich hatten wir in Peru letztes Jahr ordentlich mit dem Eis zu kämpfen, da ist Schnee ja besser.


Außerdem bin ich ja wohl auch nach Bolivien gefahren, um etwas schwierigere Berge hochzukraxeln. Pünktlich zum Sonnenaufgang mussten wir dann den Schornstein hoch – eine kleine Felsspalte die den Zugang zum Gipfel ermöglicht…deren letzten Meter total vereist sind. Bin noch nie so beschissen geklettert…hatte irgendwie überhaupt keinen halt…aber zum Glück war das Seil ja oben angebunden.


Naja, das war geschafft. Als nächstes musste ich nur noch ein wenig über den verschneiten Grat zum Gipfel laufen – laufen kann ich ja wohl! Aber auch im rutschigen Pulverschnee wenn der Weg nur einen Meter breit ist?! Ich guck ja immer nur nach unten um zu schauen wohin ich laufe…diesmal konnte ich leider nicht ausblenden dass es links und rechts von mir hunderte Meter in die Tiefe ging.

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Ist natürlich alles halb so wild, da ich ja an der Sicherung hänge, die unser Guide aufgebaut hat. Den ersten Abschnitt bin ich also hochgekrochen – meine Fortbewegung hatte mit Bergsteigen nicht mehr viel zu tun.

Morgens um 7 ist es übrigens saukalt in der Höhe. Durch die Kälte sind meine Muskeln krass steif geworden…und ich hab mich nicht getraut, meine Jacke aus dem Rucksack zu holen…lieber keine unnötigen Bewegungen.


Na gut, Sicherung erreicht, auf zur nächsten. So schlecht bin ich noch nie zuvor mit Steigeisen gelaufen…zu steil, zu weicher Schnee, zu weiche Knie…die Eisaxt hat im weichen Schnee nicht viel gebracht. Die einzig mögliche Begründung: ist der Berg zu schwierig für mich? Wind und Wolken haben meine Stimmung auf dem schmalen Grat nicht grade verbessert.

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Zum ersten Mal in meinem Leben hab ich beschlossen, lieber nicht bis zum Gipfel zu klettern…auch wenn er nur noch wenige Meter entfernt war…ich wollte nur noch wieder runter auf den Erdboden.


Runteekraxeln war ein kleiner Albtraum. Natürlich war ich immer sicher angeseilt…keine Ahnung was der Gipfel für ne Neigung hatte, gefühlt musste ich im 90 Grad Winkel durch den instabilen Schnee herunter 😉

Wie immer: Ende gut, alles gut, aber ein wenig ärgere ich mich jetzt doch dass ich so ein Angsthase (gewesen) bin…ein kleiner Trost: Bei Wolken und Kälte wäre es wohl eh nicht der schönste Gipfel aller Zeiten gewesen. Untröstend: 7 Stunden den Berg hochgelaufen um dann auf den letzten Metern aufzugeben. Auch dumm: jetzt bin ich super fit und kann jeden Berg ohne allzugroße Anstrengung hochkraxeln…und dann bin ich zu blöde zum laufen.

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Es gibt übrigens kaum Fotos, da ich mich nichtmal getraut hab, die Kamera rauszuholen. Hatte andere Sachen im Sinn außer Fotos…Jetzt geht es erstmal zurück nach La Paz.


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