Dreitagesmarsch um den Tronador Vulkan

Heute morgen bin ich zu meinem 3-Tagestrek aufgebrochen. Mit einem teuren Shuttle würde ich 3 Stunden zum Trailhead gefahren – hat sich aber gelohnt, der teure Transport hat die ganzen Horden junger Argentinier wohl abgeschreckt. 

Auf dem Trail war ich dann auch überwiegend alleine unterwegs- endlich mal keine Menschenmassen. Allerdings waren im Bus nur Typen – zwischenzeitlich hatte ich die Sorge, dass der Trail zu hart sein könnte und daher nur Männer unterwegs sind…aber für mich wird es hier wohl nie etwas zu schwieriges geben…nach den Monsteretappen damals in den Rocky Mountains mit viel zu viel Gewicht im Rucksack waren alle anderen Wandertrips immer relativ harmlos. 

In einem Gebüsch fing ein Vögelchen plötzlich heftig an zu piepen – was war denn da los? Da saßen zwei Mini-Eulen im Gebüsch, soo niedlich, so groß wie meine Hand. Das die um 12 Uhr mittags noch wach waren – eigentlich sind Eulen ja nachtaktiv, wahrscheinlich haben die beiden durchgemacht.
Vom Trail aus konnte man dann ab 1200 Höhenmetern schon ab und an mal die fetten Gletscher auf dem Tronador Vulkan erblicken. Und das Beste: vom Gletscher aus gingen etliche Wasserfälle eine Steilwand herab – soo schön! 
Auf dem letzten Kilometer vor dem Refugio konnte ich oben am Himmel eine Gruppe Condore um den Gipfel kreisen sehen…und da kommt plötzlich einer genau neben mir, auf Augenhöhe angeflogen! Und meine Augenhöhe ist ja nicht so wahnsinnig hoch 😎 

Beim Refugio wurde es dann spannend: zum ersten Mal habe ich mein Zelt nur auf Steinen aufgebaut – man bekommt hier kaum einen Hering in den Boden, hab alles an den Felsen abgespannt – bin mal gespannt wie wir (mein Zelt und ich) die Nacht überstehen.
Heute habe ich glaube ich zum ersten Mal in meinen Leben „gechillt“ – also faul rumgesessen und nix getan. Wie konnte es soweit kommen? Lt. Club Andino soll man 7-8 Stunden mit Gepäck zum Refugio brauchen…nach 4.5 Stunden hatte ich aber sogar schon mein Zelt aufgebaut – somit hab ich viele freie Nachmittagsstunden. Hab mir ne geschützte Ecke gesucht, da gabs erstmal Kekse und Tee. Hier könnt ich den ganzen Tag sitzen…links der Tronador, vor mir der Gletscher und rechts die ganzen Berge Bariloche’s; Menschen sind weit genug entfernt so dass es keine Geräuschbelästigung gibt😉

2.Tag – Im Zelt schläft es wig ja immer noch am Besten – und so kann ich mir sogar in Argentinien ein Einzelzimmer leisten – die gemütlichsten 2,3 Quadratmeter die ich mir wünschen kann. Es gab gar keinen starken Wind – daher stand mein Zelt auch wie ne 1. In der Nacht hat es allerdings ganz schön gegrummelt – dabei war es gar kein Gewitter? Nein, immer wenn ein Stückchen Gletscher abgebrochen ist gab es das Getöse.

Am Morgen wollte mich gleich ein Riesenkillerinsekt angreifen…grade als das Tierchen ganz nah war und ich beinahe zuhauen wollte habe ich gesehen dass es gar kein Insekt war, sondern ein Kolibri der mein TShirt wohl für eine wunderschöne Blume gehalten hat 😬

Der Tronador hat sich am Morgen zum Abschied dann sogar noch komplett wolkenfrei gezeigt.
Heute war mein längster Tag seit dem Bänderunglück – 16km, 700m bergab, 500m Bergauf mit Gepäck, ging aber schnell echt gut. Auf dem Weg bergab konnte man den Gletscher nochmal gut sehen, wie er in Richtung Abhang quillt und dort in Wasserfälle. Runterträgt. 
Im nächsten Abschnitt ging der Weg an einem Fluss entlang – das Wasser war so klar, dass ich die Forellen im Fluss schwimmen sehen konnte. Auf dem Weg sonnten sich ganz viele türkis-blau-grüne Eidechsen, die nicht gerne aus dem Weg gehen wollten… das ein oder andere Mal wäre ich fast auf eine draufgetreten. Beim nächstem Refugio gab es leider kaum Zeltplätze…musste dann genau neben dem Haus, mitten im Wind Zelten – das Zelt stand aber gut. Vor dem Abendessen bin ich noch mit ein paar Leuten, die ich noch vom Meiling-Refugio am Vortag kannte, zu weiteren Wasserfällen gelaufen. 

Tag 3 – letzte Etappe! Nach meinem köstlichen Abendessen (Instant-Kartoffelpüree mit Dressing, getrockneten Zwiebeln und Salami) hab ich geschlafen wie ein Stein. Heute morgen gab es keine Aussicht, da der Paso de las Nubes (Wolkenpass) total in Wolken versunken war. Als ich unten im nächsten Tal angekommen bin, hatten sich aber schon alle Wolken verzogen; die Wasserfälle haben kleine Regenbogen geworfen. 
Heute ging es dann noch einmal viele Kilometer durch den tiefen Wald, kaum andere Menschen gesehen. An einem Fluss hatte ich meine Mittagspause – dort flog auf einmal ein grüner Papagei an mir vorbei – was es hier nicht alles gibt 😉Natürlich durfte auch wieder die obligatorische klapprige Hängebrücke nicht fehlen.
Jetzt sitze ich grade auf dem Steg an der Laguna Fria, dem kalten See und warte auf das Boot, dass mich wieder nach Bariloche bringen soll.Das Boot hatte dann zwei Stunden Verspätung, aber warten habe ich in Südamerika ja mittlerweile gelernt 😉

Null Tolerabz habe ich aber, wenn man durch die Verspätung so spät zu Hause ankommt, dass die Supermärkte bereits geschlossen sind und es somit kein Abendessen gibt. Aber ne Pizza nach dem laufen ist immer gut….auch wenn  die hier nur widerlichen Käse haben 


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