Tocllaraju (6.034m) – Take it to the limit

Back in Huaraz! In einem Stück, ziemlich erschöpft aber total happy 🙂 In den letzten vier Tagen war ich nämlich im Ishinca-Tal und bin von dort aus auf den Tocllaraju geklettert. Der Tocllaraju hat eine richtig tolle Pyramidenform und gehört damit zu den Königen der Spitzberge. Zudem ist der Berg mit 6.034 richtig hoch und auch nicht mehr so ganz einfach zu besteigen – diese Saison ist der PD/AD (Peu Difficile / Au Difficile) gerated, d.h. da krabbelt man nicht mehr einfach so hoch. Insgesamt dauert die Tour vier Tage lang.

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Nachdem ich den Spot von der Amerikanerin zu einem ziemlich guten Deal übernehmen konnte, bin ich direkt im Anschluss an den Mounteneering Course am Sonntag wieder los in die Berge gefahren. Samstag hatten wir nur ein kleines After-Summit Bier in Huaraz…in der Nacht zum Sonntag habe ich kaum geschlafen da ich unglaublich laute Australier mit im Zimmer hatte…naja. Nach dem freien Nachmittag am Samstag ging es dann halt am Sonntag schon um 8 Uhr morgen wieder weiter. Unser Guide, Peter (vielleicht haben die Eltern auch zuviel Heidi geguckt) hat mich vom Hostel abgeholt, dann haben wir noch den Kanadier abgeholt und los ging es in Richtung Ishinca Tal. Der ursprüngliche Plan war ja, auf den Chopicalqui hochzuklettern, da der aber zuviel Neuschnee bekommen hat, war uns das etwas zu schwierig und auch zu gefährlich. Der Tocllaraju ist zwar etwas kleiner, dafür etwas technisch schwieriger und hat besseres Wetter und weniger Neuschnee.

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Beim Trailhead zum Tal angekommen haben wir nochmal unser Equipment gecheckt – es sollte wieder alles geschickt werden, was wir beim Mounteneering Course benutzt hatten. Das Soll entspricht ja aber nicht immer dem Ist – mein Klettergurt hat gefehlt, das ist natürlich etwas unglücklich da der zum Klettern relativ wichtig ist. Zum Glück konnte der mir am nächsten Tag aber per Esel nachgeliefert werden. Am ersten Tag sind wir von dem kleinen Ort Pashpa zum Ishinca Base Camp gewandert – das war richtig schön, über 12km ging es an einem kleinen Fluss mit Bäumen entlang, da hat man sich schon etwas wie im Dschungel gefühlt. Zum Glück haben die Esel mein Equipment zum Basecamp gebracht, so hatten wir nen gemütlichen Hike und konnten nach dem Kurs noch etwas relaxen. Das Ishinca Valley ist ganz hübsch und hat sogar eine kleine Hütte, die aber recht teuer ist – daher haben wir wieder in unseren Zelten geschlafen – da die Amerikanerin jetzt weg war, hatte ich einen 3-Personen Palast ganz für mich alleine – richtig gut. Marcelino, unser Koch vom Kurs war wieder mit dabei, neu war wie gesagt unser Guide der Peter (wird aber Englisch ausgesprochen). Der Peter ist ein sehr fröhliches und starkes Kerlchen, krabbelt schon seit 10 Jahren hier in den Bergen herum, kennt sich also sehr gut aus.

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Am zweiten Tag sind wir dann vom Base Camp auf 4.300mzum Moraine Camp auf 4.900m hochgelaufen. Hier konnten uns die Eselchen leider nicht mehr helfen, allerdings hab es die Möglichkeit, seine Sachen von einem Porter hochschleppen zu lassen – für 40USD! Das ist ja fast eine Woche im Hostel – und 600m hab ich meine Sachen ja nun wohl schon beim Valluna problemlos hochgeschleppt – also kein Porter für mich. Unsere Zelte und Essen wurden aber schon von den Portern hochgetragen – und der Peter hat denen sogar noch meine Gletscherstiefel untergejubelt, das war toll, hat mir nochmal zwei Kilos gespart. Der Weg hoch war sehr sehr warm und dadurch ziemlich anstrengend, zum ersten Mal in Peru hatte ich das Gefühl, dass die Luft zu dünn ist – dabei waren wir noch unter 5000m! Ohje…vielleicht hätte ich doch nen Porter nehmen sollen? Erschöpft auf den Gipfel kann schwierig werden. Nach einer Ewigkeit die drei Stunden gedauert hat sind wir dann im Moraine Camp, direkt am Gletscher angekommen. Dort waren grade die Gruppen im Aufbruch, die den Gipfel bereits bestiegen hatten, so dass wir einen guten Campspot bekommen haben. Außer uns waren nur noch zwei andere Teams da, die in der kommenden Nacht den Berg besteigen wollten. Da wir schon um 23h abends aufstehen mussten, gab es diesmal schon um 17h Abendessen – Reis mit Kartoffelbrei, ziemlich dröge, aber irgendwo muss die Energie ja herkommen.

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Und wie das immer so ist wenn man unbedingt schnell tief schlafen muss um sich möglichst gut für den nächsten Tag zu erholen, schläft man dann kaum – ich bin glaub ich erst um 21h eingeschlafen…und um 23h klingelte dann ja schon wieder der Wecker…..uahhh. Raus in die Kälte! Na toll….der Gipfel ist total in den Wolken verschwunden, das kann ja heiter werden. Nach einem kurzen „Frühstück“ ging es dann mit etwas Verspätung um 0:30h los auf den Gletscher – Steigeisen an, Helm auf, Eisaxt in die Hand und los! Der Schwächste im Rope-Team ist immer hinter dem Führer – in unserem Fall der Kanadier der seine Sachen von den Portern hochtragen lassen hat – na gut. Unser Ziel war es, bis spätestens 8:00h den Gipfel zu erreichen, sonst müssten wir leider umkehren. Stundenlang ging es dann durch den Schnee über den Gletscher und die erste Stunde lang waren meine Beine ganz schön schwer – ohje….nur noch 1000 Höhenmeter. Zum Glück sind die dann aber gegen 2 Uhr wieder stark geworden, ich konnte normal atmen, die Wolken haben sich verzogen und wir konnten im Mondschein den Gletscher hochkraxeln.

Ca. gegen 4:00 Uhr haben wir nach einigen Hüpfern über bis zu 1m breite Gletscherspalten die erste Steilwand erreicht. So wirklich klettern mussten wir auf dem Valluna ja nicht…aber jetzt! Unser Guide ist vorgestiegen und hat am Seilende (nach 60m) eine Sicherung gesetzt, dann ist der Kanadier losgeklettert, ich mit etwas Verspätung hinterher da ich ja noch die ganzen Zwischensicherungen unterwegs abbauen musste…gar nicht so einfach die Sicherungen mit viel zu großen viel zu kalten Handschuhen abzubauen und im Rucksack zu verstauen. Zudem war die Kletterei an der Schneewand ganz schön anstrengend….beim Valluna war ich nach 10m schon außer Atem…jetzt hatten wir 60m….denkste! Oben bei der Sicherung angekommen, war die Wand noch lange nicht zu Ende, ging nochmal 40m weiter…also weiterklettern, Equipment einsammeln und durchhalten. Andere sammeln Pokemons, ich sammel die Pickets ein. War ich froh als das steile Stück vorbei war!

Man sagt ja immer, dass die Stunde vor Sonnenaufgang am kältesten ist – das kann ich nur bestätigen. Irgendwann fühle es sich an als würde die Nacht niemals Enden, je höher wir kamen so tiefer wurde der Schnee, so stärker wurde der Wind, so dass ich trotz Bewegung meine fette Daunenjacke anziehen musste, die ich mir geliehen hatte. Zum Glück langen wir gut in der Zeit und konnten gemächlich weiterlaufen – der Kanadier konnte eh nicht viel schneller, mir ist von dem langsam laufen aber nur noch kälter geworden. Und dann ging endlich gegen 6 Uhr morgen die Sonne auf – war das schön! Gen Osten hatten wir keine Berge die die Sicht versperrten, richtig schön. Allerdings wollten wir ja nicht vom Sattel schauen, sondern vom Gipfel. Da gab es dann noch ein kleines Problemchen. So ein Pyramidenberg sieht natürlich top aus, aber so ne Pyramide ist ja nun nicht grade besonders flach….so standen wir vor dem letzten Stück dass uns vom Gipfel trennte – und dieses letzte Stück war eine ca. 65° Steilwand aus Eis…als ob die Schneewand nicht blöd genug gewesen wäre!

Peter ist wieder vorgestiegen um eine Sicherung zu bauen, danach sollten wir dann folgen. Als Signal wollte er rufen und 3x am Seil ziehen. Erst nach ca. 15 Minuten haben wir endlich was gehört – und los ginge es! Kanada voran, ich wieder hinterher am Gegenstände einsammeln wie bei Super Mario. Kommunizieren konnte man an der Wand überhaupt nicht, da der Wind dort mind. Mit Orkanstärke unterwegs war, zwischenzeitlich hatte ich Angst, dass meine Nase oder Finger abfrieren…mein Buff war von meinem Atem gefroren, die Handschuhe leicht nass von geschmolzenem Eis. Aber: Ich hatte ja richtig Angst vor der Eiswand…und dann stellte sich heraus, dass dort schon richtig viele Tritte im Eis waren, ein Glück! So ging es dann im Sonnenaufgang der das Eis ganz rosa gefärbt hat recht flott hoch nach oben – fast geschafft! Noch 50m weiter bis zum Gipfel….und dann ist da auf einmal eine blöde Gletscherspalte genau vor dem Gipfel! Zum Glück war die nur 10m tief so dass wir dort gut rein und rauf klettern konnten und dann war es geschafft!

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Ziemlich krasses Gefühl so auf über 6000m und eine fantastische Aussicht – die Wolken hatten sich zum Glück im Laufe der Nacht verzogen! Insgesamt waren wir sogar schneller auf dem Gipfel aus gedacht, Zielzeit war zwischen 07:00 und 8:00 Uhr, und wir waren schon um 6:54 Uhr oben, jippi! Wollte auf dem Gipfel was snacken….aber mein Power Bar und Gel waren eingefroren, ach meine Güte! Naja war dann etwas crunchiger 😉 Zum Glück hatte ich noch ungefrorenes Wasser im Rucksack. Da der Gipfel mit seinem kleinen Überhang nicht der sicherste Platz auf der Welt ist und bei Orkanböen mit Schneekörnern nicht ganz so gemütlich war sind wir nach ca. 15 Minuten dann wieder abgestiegen. Der Rückweg ging dann relativ flott, an den steilen Stellen haben wir uns abgeseilt, das ging flott. Auf dem Rückweg bin ich dann vorgelaufen…war manchmal nicht so einfach da mich die Windböen hin und wieder fast umgefegt hatten, aber nun gut.

Um 11 Uhr morgen waren wir wieder im Camp und wurden gleich mit einer wamen Suppe empfangen. Waren dann auch schon mittlerweile 12 Stunden auf den Beinen und ich wollte nur noch schlafen…aber leider mussten wir am selben Tag noch wieder runter ins Basecamp mit dem ganzen Gepäck….oh meine Knie und Füße haben sich über den zusätzlichen Abstieg nicht zu gefreut…aber es ging. Mein Lieblingskoch Marcelino hatte für uns dann schon Cracker mit Guacamole vorbereitet, da war die Welt wieder in Ordnung. Als wir nach dem Abendessen um 20h endlich ins Zelt gegangen sind, hab ich geschlafen wie ein Stein.

Heute sind wir dann wieder die 12km rausgelaufen, das war aber wieder ganz relaxt. Allerdings waren wir wieder zu schnell und mussten noch eine Stunde auf die Esel warten. In Huaraz hatte ich Glück – hatte keine Zimmer reserviert da ich erst vor hatte, heute Abend noch weiter zu fahren. Jetzt finde ich ein Bett statt Bus aber doch ganz gut, zum Glück hatte Lisa, die nette Französin die hier im Hostel arbeitet ein Bett für mich geblockt – meistens ist es hier ausgebucht. Das Zimmer war zwar noch ein Saustall als ich angekommen bin (Engländer….), aber zumindest konnte ich duschen. Morgen früh um 9 Uhr fährt jetzt mein Bus nach Trujillo….dort gab es kaum günstige Unterkünfte die gut gelegen waren, jetzt schlafe ich halt mal im Einzelzimmer…hatte bisher ja noch keins gebucht und kann grad schon mal etwas Ruhe gebrauchen….aber nicht heute Abend, gleich treffen wir uns vom Kurs nochmal zum Abschied, um 19h! Mal schauen wie lange ich durchhalte, 19h ist normalerweise längst Schlafenszeit 😉


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