Huayhuash [why-wash]

In den vergangenen 10 Tagen war ich in der Cordilliera Huayhuash unterwegs. Huayhuash bedeutet Wiesel und wird why-wash ausgesprochen – auch zutreffend für den Trek 😉 Die Route war mit unseren Variationen ca. 180km lang mit etwa 6000 Höhenmetern, macht bei 10 Tagen also 18km und 600 Höhenmeter pro Tag. Warum macht man das? Der Trek zählt wohl zu Recht zu einem der schönsten der Welt, jeden Tag gab es einen neuen Pass zu überqueren, von dem aus man fette Gletscher, die türkisisten Seen und einige 6000er Gipfel sehen konnte.

Hier geht’s zu den Bildern (diesmal nicht sortiert, da es schon recht spät ist…)

Am ersten Tag ging es ganz relaxt um 9 Uhr morgen los – gleich mit einer kleinen Extraüberraschung: Der Guide spricht doch nur Spanisch, zudem Bestand der Rest der Gruppe aus Kataloniern…wenn das mal kein Spanisch-Crashkurs wird! Mit dem Bulli sind wir erstmal sechs Stunden lang zum Trailhead gefahren, die letzten 3 Stunden auf extrem unbefestigter Straße – aber wir vertrauen unseren Fahrern. Auf einem Pass haben wir ein Vorher-Foto gemacht, da uns der Zugang zu Waschräumen in den nächsten Tagen wohl verwehrt sein wird. In Llamac, einem winzigen Örtchen zu Beginn des Trails haben wir dann noch unseren Arriero, den Eseltreiber gefunden. Anders als auf den normalen Backpacking-Trips tragen hier nämlich die Esel das Essen und die Zelte, das ist bei 10 Tagen und über 4000m sicher ganz angenehm.

Der erste Zeltplatz war dann auch gleich deutlich über 4000m gelegen…da wird es nachts schonmal kalt, teilweise hatten wir -8 Grad Celsius, morgens waren die Zelte immer vom Raureif überzogen. Aber der Schlafsack + die Daunenjacke + die Regenhose halten die Temperaturen wohl aus. Nur die erste Nacht war unheimlich kalt, da ich in einem 3-Season Zelt schlafen musste…dies ist aber gleich in der ersten Nacht durch den starken Wind kaputt gegangen, so dass ich von da an das gute 4-Jahreszeiten Zelt bekommen habe, Esel sei dank hatten wir noch eins parat. In den USA haben wir immer gesagt, man solle womöglich nicht höher als 10.000ft schlafen, da man sonst Probleme mit der Höhe bekommt…4.300m = 14.000 ft….naja.

Am ersten Wandertag ging es dann auch steil los, da kam man schonmal etwas aus der Puste – aber die Aussicht von dem Pass war richtig schön – es gab sogar Spitzberge (Berge die wie bei Heidi oben spitz zu laufen)! Allerdings war es auf dem Pass auch sehr kalt, zum Glück hatte ich aber meine Daunenjacke dabei, die ungefähr das weltallerbeste Kleidungsstück ist, das ich besitze. Nach dem Pass hatten wir die Option, die normale Route zum nächsten Camp zu gehen oder noch einen kleinen Bonus zu einer Laguna zu gehen – immer der Weg mit der besten Aussicht! Puhh….war dann nochmal etwas anstrengend aber sehr schön, haben sogar drei Vicunas (Llama meets Bambi) aus der Ferne gesehen. Unser Guide ist dann schnurstracks zum Lager gegangen, ich hab mit dem Katalonier noch ne -extrarunde bei der Laguna gedreht, bevor es dann zurück zum Camp ging.

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Beim Camp hatten wir einen ziemlichen Service: Neben unseren Schlafzelten hatten wir ein Koch- und ein Esszelt. Juan, unser Koch hat mit Camillo, dem Arriero jeden Tag was für uns zu Essen gemacht. Das Essen war sehr kohlenhydrathaltig – oft gab es Reis mit Kartoffeln und Nudeln, aber auf der Höhe hat man halt auch mehr Hunger. Juan ist übrigens schon 70 Jahre alt und lässt uns auf dem Trail immer noch ziemlich lahm aussehen. Die Gruppe war echt toll, seit langem war ich mal wieder die Jüngste, die Katalonier waren alle schon in den 40ern. Was hier halt auch noch krass schön war war der Sternenhimmel: Es gibt in den entlegenen Andendörfern kaum Strom, daher auch kaum Licht….so eine klare Milchstraße wie auf dem Trek habe ich zuletzt in Australien gesehen, richtig schön.

Nach dem ersten Tag wurde allerdings schnell klar, dass zwei der Spanierinnen Probleme mit der Strecke und Höhe haben werden…ohje…dabei gab es doch so viele Bonusrouten….zum Glück waren die beiden aber nicht kompliziert, die sind dann die Eselroute mit dem Arriero gelaufen, die hatte nicht so viele Höhenmeter und war sehr einfach. Somit konnten der fitte Spanier und ich die Zusatzoptionen mit unserem Guide drehen – viele extra Pässe, Lagunen – die besten Vistas vom ganzen Trip.

Was ich außer Bergen noch gerne mag: Pferde. Hier waren teilweise echt tolle Pferde. Und Esel! Wie niedlich die sind! Wenn ich mal groß bin, möchte ich gerne einen Hof mit Pferden und Eseln haben 🙂

Das ganze rauf und runter ging dann nach einer Weile aber auch ganz schön auf die Knochen…meine schwachen Sprunggelenke hatten da schon ordentlich was zu tun, aber jetzt sind die auf jeden Fall für die Gipfel gestärkt. Am sechsten Tag gab es eine Überraschung: Bei der Campsite gab es Aguas Calientes, Hot Springs, Warme Quellen! Und einen kleinen Schuppen der Bier verkauft hat – nach sechs Tagen in den Bergen hätte uns kaum etwas besseres passieren können! Denn eins kann ich Euch sagen: nach sechs Tagen in den Bergen benötigt man kein Haargel mehr für eine geschniegelte Frisur 😉

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Auf einem Bergkamm ist sogar ein Kondor (diesmal ein echter – kein Geier) die ganze Zeit um uns rumgeflogen, teilweise nur 10m über unseren Köpfen….keine Ahnung was das zu bedeuten hatte, Beute sind wir jedenfalls nicht geworden. Nach einem weiteren Pass der auf über 5000m hoch ging fragten die anderen wie es mir geht….ich war ganz schön erschöpft…estoy casada! Manchmal ist es wohl wichtig, das n mitzunehmen….

An einem anderem Tag haben wir in einem kleinen Dorf auf dem Fußballplatz gezeltet – als Highlight gab es dort in einem Tante Emma Laden eine mäßig warme Dusche, Bier und eine DVD des Films Touching the Void über die Besteigung des Siula Grande – die leider kurz vor dem Ende nicht mehr weiter gelaufen ist…na gut 🙂 Zudem konnte man in dem Laden ein Rattengift kaufen…Marke „Bin Laden“ – zum effektiven auslöschen…

Leider mussten wir uns am nächsten Tag von 60% unserer Gruppe verabschieden – zwei der Spanierinnen war der Trek zu anstrengend, eine hatte sich am Knie verletzt und musste vom Guide zurück nach Huaraz gebracht werden. Naja der Trek war nun zum Glück nicht so schwierig, da konnten der verbliebene Spanier und ich auch noch so unsere Wege finden und der Koch wurde dann zum Guide befördert. War eigentlich ganz lustig, von da an saßen wir nur noch im Küchenzelt mit dem Koch und Arriero zusammen. Camillo der Arriero war übrigens sehr kreativ bei der Auswahl seiner Pferdenamen: Der Fuchs heißt Almond da der rot ist wie ne Mandel, der Falbe heißt Manteco weil der gelb ist wie Margarine.

Übrigens sollte man der Freundin oder der Brigitte mal die Huayhuash-Diät vorschlagen: 10 Tage Trekking und schon sind alle Klamotten zu weit. Allerdings ruiniert man sich dabei Haut und Hände 😉


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